Deutschland – Ostsee- & Nordseeküste
Deutschlands Ostseeküste ist ein flaches Brackwassermeer, dessen Salzgehalt von West nach Ost abnimmt, sodass das Meeresleben nach Osten hin immer spärlicher wird. Landtauchgänge reichen typischerweise 3–12 m tief über Seegras, muschelbewachsene Findlinge, Hafenmolen und künstliche Riffe, mit Plattfischen, Dorschen, Grundeln, Seenadeln, Krabben und im Frühjahr brütenden Seehasen. Fehmarn, die Eckernförder Bucht und die Kieler Förde in Schleswig-Holstein haben kleine saisonale Basen, die Landtauchgänge und Schlauchbootfahrten zu nahen Wracks anbieten. In Mecklenburg-Vorpommern besuchen Basen in Rostock-Warnemünde und Kühlungsborn Forschungsriffe und Wracks, und der Landesverband für Unterwasserarchäologie führt kleine Gruppen zu historischen Wracks vor Rügen. Im Sommer liegt eine warme Oberflächenschicht über deutlich kälterem Wasser, daher ist bei tieferen Bootstauchgängen ein Trockentauchanzug die Regel. Helgoland in der Nordsee ist ein strenges Naturschutzgebiet, in dem Gerätetauchen nur in ausgewiesenen Zonen erlaubt ist. Alte Munition und Wrackteile unberührt lassen.
Fakten
- Wassertemperatur & Sprungschicht: Im Sommer bildet die Ostsee eine warme Oberflächenschicht (um 18 °C) von nur etwa 10–20 m Dicke, die durch eine scharfe Sprungschicht von deutlich kälterem Wasser getrennt ist, das Wintertemperaturen bewahrt; wenn der Wind entlang der Küste weht, kann kaltes Wasser aufquellen und die küstennahen Temperaturen auf etwa 10 °C senken. Taucher berichten von 3–4 °C am Grund an Wracks in 21–25 m vor Rerik. Aktuelle Bedingungen prüfen. (Quelle: iow.de, taucher.net)
- Brackwasser: Der Salzgehalt in den flachen deutschen Ostsee-Küstengewässern sinkt von etwa 18 ‰ im Westen auf etwa 5 ‰ im Osten, weil der Flusszufluss den Salzwassereinstrom aus der Nordsee übersteigt; in der Kieler Förde beträgt er noch etwa die Hälfte des Nordsee-Werts. Zu erwarten ist weniger Auftrieb als im Ozean (Bleigewichte anpassen) sowie kleinere und weniger Meeresarten weiter östlich – Miesmuscheln werden dort z. B. nur etwa 5 cm groß. (Quelle: umweltbundesamt.de, geomar.de)
- Saison & Sicht: Die meisten Basen sind etwa von Mai bis September/Mitte Oktober geöffnet (z. B. Tauchen Südstrand auf Fehmarn Mai–September; Tauchparadies Schwedeneck vom zweiten Maiwochenende bis zum zweiten Oktoberwochenende, sonst nach Absprache), und einige Rostocker Kurse laufen ganzjährig. Die Sicht hängt von Wind und Plankton ab: Der Südstrand von Fehmarn hat bei ruhigem ablandigem Wind oft etwa 10 m, während Berichte von den Rostocker Riffen etwa 4 m nennen. Aktuelle Bedingungen prüfen. (Quelle: tauchen-suedstrand.de, scubalu.de, taucher.net)
- Basisregeln & Gebühren: Die Landtauchplätze an der Küste sind öffentlich, aber die Basen berechnen Gebühren für ihre Einrichtungen: z. B. Tauchparadies Schwedeneck (Surendorf) 15 € Basisgebühr pro Person und Tag, mit einem am Stützpunkt abgeholten Schrankenchip; Tauchen & Meer Eckernförde 10 € Basisgebühr. Am Südstrand von Fehmarn muss jedes Tauchpaar eine Boje (SMB) mitschleppen. Wrackfahrten erfordern in der Regel Advanced-Zertifizierung, Kaltwasser-/Trockentauchanzug-Erfahrung und eine Buchung (z. B. Wrackfahrten Fehmarn: typischerweise AOWD mit 50+ Tauchgängen; Fahrten zur Unterwasserarchäologie MV: Advanced, 60+ geloggte Tauchgänge). Aktuelle Bedingungen prüfen. (Quelle: Webseiten der Veranstalter)
- Ist Gerätetauchen erlaubt?: Es gibt kein nationales Gesetz zum Wracktauchen; es hängt vom Wasser-, Denkmal- und Naturschutzrecht ab. In Mecklenburg-Vorpommern gilt das Gerätetauchen in Küstengewässern als Gemeingebrauch und erfordert keine Genehmigung (§ 22 LWaG MV), während das Tauchen in von den Behörden gesperrten Gewässern verboten ist und um gefährliche Wracks Tauchverbote verhängt werden können. Häfen sind tabu: z. B. ist das Tauchen im Yachthafen Eckernförde verboten. Aktuellen Status prüfen. (Quelle: bundestag.de, tauchenundmeer.net)
- Wracks: Denkmalschutz & Kriegsgräber: Der Denkmalschutz ist Ländersache; in Mecklenburg-Vorpommern ist das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege (LAKD) zuständig, und das Entnehmen von Teilen, auch von an Land gespülten Wracks, ist nicht erlaubt. Neue Funde dem LAKD melden (der Verein Freiwassermuseum hilft dabei). Seekriegsgräber fallen nicht unter das deutsche Kriegsgräbergesetz, genießen aber besonderen internationalen Schutz, und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge meldet zunehmende Plünderungen. Ansehen, nicht berühren oder etwas mitnehmen. Das U-Boot-Wrack UC 71 vor Helgoland steht seit 2012 unter Denkmalschutz. (Quelle: bundestag.de, freiwassermuseum.de, helgoland.de, nordkurier.de, t-online.de)
- Naturschutzgebiet Helgoland: Das Naturschutzgebiet „Helgoländer Felssockel“ umfasst den Felssockel rund um Helgoland (ohne die Insel, die Düne und die Häfen). Das Tauchen mit Gerät ist im Schutzgebiet verboten, außer in den schraffierten Zonen der Karte zur Verordnung, und eine Bundesverordnung verbietet die Schifffahrt in festgelegten Seegebieten rund um die Insel sowie das Ankern rund um die Düne. Aktuellen Status bei der örtlichen Behörde prüfen. (Quelle: lexaris.de, gesetze-im-internet.de)
- Militärische Gebiete: In Surendorf (Eckernförder Bucht) liegt das Riff neben dem Marine-Versuchsgelände WTD 71, wo noch maritime Waffen getestet werden; die Marine duldet das Tauchen außerhalb des Sperrgebiets nur bei Einhaltung der Regeln, daher zuerst das örtliche Briefing der Basis einholen. (Quelle: scubalu.de)
- Alte Munition: Im deutschen Teil der Ostsee werden etwa 300.000 t Kriegsmunition vermutet (in der Nordsee bis zu 1,3 Millionen t), auf die Taucher stoßen können. Der Umgang mit Munition kann tödlich sein: nicht berühren, Stelle merken und den Kampfmittelräumdienst über die Polizei (110) oder in Schleswig-Holstein die Lagezentrale des Innenministeriums (0431 160-0) alarmieren. (Quelle: schleswig-holstein.de, yacht.de)
- Notfall: An Land 112 anrufen und „Verdacht auf Tauchunfall“ angeben. Auf See die Seenotleitung der DGzRS (MRCC Bremen, „Bremen Rescue“) auf UKW-Kanal 16 oder 70 (DSC) oder telefonisch unter +49 421 53687-0 (24 h) rufen; E-Mail ist kein Alarmierungsweg. Mitglieder von DAN Europe können auch die DAN-Europe-Hotline anrufen (+39 06 4211 5685 – Nummer auf der Karte prüfen). (Quelle: seenotretter.de, daneurope.org)
- Druckkammern: Marineinstitut für Maritime Medizin, Druckkammer „Hydra 2000“, Kopperpahler Allee 120, 24119 Kronshagen bei Kiel: Notfall +49 431 5409 1441; 60 Minuten Vorlaufzeit Montag–Freitag, sonst auf Anfrage; Intensivbeatmung in der Kammer möglich, Aufnahme im UKSH Kiel, Hubschrauberlandeplatz. Zentrum für Hyperbarmedizin Hamburg (Holstenstr. 79–81): +49 40 63273434, eingeschränkte Zeiten (Mo–Fr 08–16, Sa 08–12), keine Intensivpflege. Vor dem Transport immer anrufen – die Kammer kann belegt sein. Liste Stand 1. Jan. 2025; aktuellen Status prüfen. (Quelle: gtuem.org)
Saison
- Beste Monate: Mai, Juni, Sept., Okt.
- Akzeptabel: Apr., Juli, Aug., Nov.
- Weniger gut: Dez., Jan., Feb., März
- Wassertemperatur: 3–18 °C
Kalte Gewässer: Helgoland hat im Winter 4–5 C und im August etwa 18 C. Cyanobakterienblüten im Sommer verschlechtern die Sicht in der Ostsee, daher sind Frühjahr und Herbst besser; im Winter wird mit Trockentauchanzug getaucht. Es wurde keine Quelle mit gemessener Sicht gefunden, daher beruhen die Monate auf allgemeinem Wissen.
Tauchplätze (21)
Mecklenburg-Vorpommern Ostsee (Rostock, Rerik, Rügen)
- Amazone wreck (Königsstuhl, Rügen) – 20 m, Profi
- Auguste wreck (Rügen) – 20 m, Profi
- Ewer von Wismar wreck (off Rerik) – 22 m, Profi
- Mynden wreck (Kap Arkona, Rügen) – 12 m, Fortgeschritten
- Naval tug wreck (Warnemünde) – 8–10 m, Anfänger
- Riff Nienhagen (artificial reef) – 10–12 m, Fortgeschritten
- Riff Rosenort (artificial reef) – 5–6 m, Anfänger
- Seal dive at Hohe Düne (Rostock) – Anfänger
- Seeleichter wreck (Markgrafenheide) – Fortgeschritten
- U 3519 debris field (off Warnemünde) – 14–16 m, Fortgeschritten
- Zinkwrack (Tromper Wiek, Rügen) – Fortgeschritten
Schleswig-Holstein Ostsee (Fehmarn, Kiel, Eckernförde)
- Docktor wreck (Fehmarn) – 4–15 m, Fortgeschritten
- Eckernförde – mole & artificial reef – 0–10 m, Anfänger
- Fehmarnsund bridge drift – 0–10 m, Fortgeschritten
- Hausriff Südstrand (Meeschendorf, Fehmarn) – 0–5 m, Anfänger
- Katharinenhof (Fehmarn) – 0–7 m, Anfänger
- Staberhuk (Fehmarn) – 0–5 m, Anfänger
- Strande (Kiel Fjord) – 0–7 m, Anfänger
- Surendorf reef (Eckernförde Bay) – 2–14 m, Fortgeschritten
- Westermarkelsdorf – „Stöpsel” (Fehmarn) – Anfänger
Nordsee / Helgoland
- UC 71 U-boat wreck (Heligoland) – 23 m, Profi
Anbieter (9)
- Tauchen Südstrand – Tauchbasis, Camping Südstrand, Meeschendorf, 23769 Fehmarn
- Tauchparadies Schwedeneck (scubalu.de) – Tauchbasis, Zum Kurstrand 3, 24229 Surendorf (Schwedeneck); shop: Mühlenstraße 47, 24539 Neumünster
- Aquarius Tauchservice – Tauchbasis, Kieler Str. 9 b, Dänisch-Nienhof, 24229 Schwedeneck
- Tauchen & Meer Eckernförde – Tauchbasis, Jungfernstieg 69, 24340 Eckernförde
- Tauchcenter Eckernförde e.V. – Tauchbasis, Postfach 1152, 24331 Eckernförde (beach base on the Eckernförde promenade)
- baltic-diver-circle (Divecenter Rostock) – Tauchbasis, Zum Yachthafen 1-8, 18119 Rostock (Hohe Düne marina)
- Tauchbasis Baltic (Kühlungsborn) – Tauchbasis, Anglersteig 1, 18225 Kühlungsborn
- Freiwassermuseum – Landesverband für Unterwasserarchäologie M-V e.V. – Tauchbasis, Goor 4, 18556 Putgarten (Rügen)
- Tauchen Rügen (Interessengemeinschaft) – Tauchbasis, Proraer Chaussee 50, 18609 Ostseebad Binz / OT Prora
Touren (9)
- Fehmarn-Bootstauchgänge: Docktor & Sund-Drift
- Fehmarn-Landtauchgänge per Tauchbus
- Westliche Ostsee: Wracktouren mit Ingo Oppelt
- Surendorf „Tauchtag PUR“
- Wöchentlicher Tauchtreff in Strande
- Sonntags-Robbentauchgang
- Rostocker Riffe & Wracks per Boot
- Freiwassermuseum-Wracktag vor Rügen
- Freiwassermuseum-Tauchgänge vor Rostock
Die Basen sind klein und saisonal, Bootsfahrten hängen von Wind und Mindestteilnehmerzahl ab, und Preise und Öffnungszeiten ändern sich – vor der Anreise beim Veranstalter bestätigen. Wrackpositionen sind nur ungefähr angegeben (nahe dem Hafen oder der Küste) und nicht zur Navigation gedacht. Das Wasser unterhalb der sommerlichen Sprungschicht kann nur wenige Grad warm sein; Kälteschutz und Gas entsprechend planen.