Deutschland – Bergwerke & Höhlen
Deutschland hat keine offene Höhlentauchregion wie Frankreich oder Mexiko, doch jahrhundertelanger Bergbau hat geflutete Stollen hinterlassen, die einige Veranstalter für Taucher öffnen. Das größte ist das Schieferbergwerk Nuttlar im Sauerland mit etwa 12 km gefluteter Gänge, einem Cavern-Bereich für Probetauchgänge und Kursen bis zum vollwertigen Bergwerkstaucher. In Sachsen wird das alte Kalkwerk in Miltitz bei Meißen nur an angekündigten Winterwochenenden betaucht, und der Felsendome Rabenstein in Chemnitz bietet geführte Tauchgänge in seinen zwei gefluteten Ebenen an. Die berühmten Karstquellen der Schwäbischen Alb – der Blautopf, der Aachtopf und die Wimsener Höhle – sind Forschungshöhlen: Tauchen ist dort verboten oder nur mit Sondergenehmigung erlaubt. Bergwerke sind Privateigentum, und Besucherbergwerke stehen unter Bergaufsicht, daher taucht man immer über den Eigentümer oder Betreiber, mit Buchung, Prüfung der Zertifizierung und deren Hausregeln. Das Wasser bleibt das ganze Jahr bei etwa 7–8 °C.
Fakten
- Besucherbergwerke stehen unter Bergaufsicht: Nach § 129 des Bundesberggesetzes (BBergG) gelten die meisten Betriebsplan- und Aufsichtsvorschriften (§§ 50–62 und 65–74) sinngemäß für Besucherbergwerke und Besucherhöhlen. Das Sächsische Oberbergamt hat eine Richtlinie zum Betrieb von Besucherbergwerken und Besucherhöhlen erlassen (in Kraft seit 6. Sept. 2009) und führt sowohl den Felsendome Rabenstein als auch das „Alte Kalkwerk“ Miltitz unter den sächsischen Besucherbergwerken auf. In der Praxis betritt man ein Bergwerk nie auf eigene Faust: Das Tauchen läuft über den Betreiber nach dessen Hausregeln. (Quelle: gesetze-im-internet.de, revosax.sachsen.de, oba.sachsen.de)
- Höhlen und naturnahe Stollen sind geschützte Biotope: Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG § 30 Abs. 2 Nr. 5) zählt Höhlen sowie naturnahe Stollen zu den gesetzlich geschützten Biotopen; Handlungen, die sie zerstören oder erheblich beeinträchtigen könnten, sind verboten. Der Fledermausschutz bestimmt die Jahreszeiten: Das Bergwerk Nuttlar schließt im Winter wegen der überwinternden Fledermäuse, und die Gemeinde Grabenstetten erteilt zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März keine Genehmigungen für die Falkensteiner Höhle. (Quelle: gesetze-im-internet.de, xray-mag.com, grabenstetten.de)
- Karstquellhöhlen: Verbote und Genehmigungen: Die Stadt Blaubeuren hat Tauchern den Blautopf seit den 1980er-Jahren nach mehreren Unfällen verwehrt; nur Rettungs- und Forschungsgruppen (z. B. DLRG, die Arbeitsgemeinschaft Blautopf) erhalten Sondergenehmigungen. Die Aachquelle darf laut Stadt Aach nur von erfahrenen Höhlentauchern mit Erlaubnis betaucht werden. In der Falkensteiner Höhle verbietet eine Polizeiverordnung (in Kraft seit 6. April 2018) das Begehen und Betauchen jenseits der ersten Engstelle etwa 20 m im Inneren, sofern die Gemeinde keine Ausnahme erteilt. Die Mühlbachquellhöhle (Dietfurt) ist verschlossen und nur für Forschung geöffnet. Aktuellen Status prüfen. (Quelle: de.wikipedia.org, aach.de, grabenstetten.de, showcaves.com)
- Wassertemperatur: Geflutete Bergwerke bleiben das ganze Jahr kalt und haben keine Sprungschicht: Der Betreiber in Nuttlar nennt etwa 7–8 °C, Taucher berichten von etwa 8 °C in Miltitz, und für den Bergwerkssee Kleinenbremen wurden 7–8 °C gemeldet. Überall werden ein Trockentauchanzug, Kaltwasser-Atemregler und solide Trockentauchkenntnisse erwartet; Miltitz verlangt geloggte Tauchgänge in Wasser unter 5 °C. (Quelle: bergwerktauchen.de, taucher.net, travelbook.de, tauchtreffdd.de)
- Saison: Nuttlar ist von April bis November samstags und sonntags geöffnet (09:00–18:00). Miltitz wird nur im Winterhalbjahr an angekündigten Terminen betaucht – keine von Mai bis Juli – und die Plätze sind meist innerhalb weniger Tage ausgebucht. Der Felsendome Rabenstein kann nach vorheriger Absprache jederzeit betaucht werden. Aktuellen Status/aktuelle Bedingungen prüfen. (Quelle: bergwerktauchen.de, tauchtreffdd.de, felsendome.de)
- Zertifizierung und Basisregeln: Die Betreiber legen eigene Regeln fest. Nuttlar: geführte Cavern-Probetauchgänge ab OWD mit Kälteschutz, zwei getrennten Atemreglern, mindestens zwei Lampen, tauchärztlichem Attest und Tauchunfallversicherung (etwa 50 Tauchgänge empfohlen); zertifizierte Höhlentaucher einer anerkannten Organisation erhalten eine Tageskarte, andere benötigen einen Checktauchgang; mindestens 100 geloggte Kaltwassertauchgänge, keine Scooter, kein Solotauchen, An-/Abmeldung. Miltitz: AOWD/CMAS** oder gleichwertig, mindestens 75 Tauchgänge einschließlich zwei unter 5 °C und zwei Nachttauchgängen, ein sportmedizinisches Attest, drei Lampen, mindestens ein Doppelgerät 7 Liter mit Verbindungsbrücke (Isolator) und eine 50-m-Leine auf der Spule; die Tauchgänge folgen der Drittelregel, und ohne Leinenkurs ist nur der Cavern-Bereich bis 15 m erlaubt. Aktuelle Bedingungen prüfen. (Quelle: bergwerktauchen.de, tauchtreffdd.de)
- Overhead-Gefahren: Bergwerke und Höhlen haben keinen direkten Weg nach oben: Schlick von Tonböden oder vom Berühren alter Grubenwagen kann die Sicht in Sekunden auslöschen, und die Gänge verzweigen sich in nicht mit Leine versehene Nebenstollen. Karstquellhöhlen kommen mit starker Strömung, engen Siphons und plötzlichem Hochwasser nach Regen oder Schneeschmelze hinzu – die Falkensteiner Höhle kann sich bis zum Eingang füllen. Im Februar 2021 starb ein erfahrener Höhlentaucher bei einem Forschungstauchgang in der Mühlbachquellhöhle nach einem engen Siphon; unter Tage gibt es keinen Mobilfunkempfang. (Quelle: xray-mag.com, taucher.net, arge-grabenstetten.de, volksstimme.de)
- Notfall: Zuerst 112 anrufen. Von GTÜM gelistete Tauchnotruf-Hotlines: DAN Deutschland/Österreich 00800 326 668 783 (00800 DAN NOTRUF), DAN international +39 06 4211 8685 oder +39 06 4211 5685; Marine-Institut für Maritime Medizin (Kiel) +49 431 5409 1441; VDST-Hotline +49 69 800 88 616; aqua med +49 421 240 110 10. Unter Tage gibt es meist keinen Mobilfunkempfang, daher mit dem Betreiber einen Oberflächenkontakt und eine Abmeldezeit vereinbaren.
- Druckkammern: GTÜM-Liste 1 (Notfallzentren für Tauchunfälle, Stand 1. Jan. 2025) umfasst Halle (Universitätsklinikum), Düsseldorf (Universitätsklinikum), Gelsenkirchen (Knappschaft), Aachen (HBO-Zentrum Euregio), Wiesbaden (Druckkammerzentren Rhein Main Taunus) und das BG Klinikum Murnau. Kammern mit garantierter 24-Stunden-Bereitschaft sind u. a. Ulm (Bundeswehrkrankenhaus, +49 731 17 10 20 55, 30 Min. Vorlauf) und Regensburg; die Kammer Überlingen am Helios Spital hat eingeschränkten Betrieb. Vor dem Transport eines Patienten immer vorher anrufen. Aktuellen Status prüfen. (Quelle: gtuem.org)
Saison
- Beste Monate: Jan., Feb., März, Apr., Mai, Juni, Juli, Aug., Sept., Okt., Nov., Dez.
- Wassertemperatur: 7–12 °C
Bergwerke und Höhlen: Das Wasser bleibt das ganze Jahr auf konstanter Temperatur (typischerweise etwa 7–12 C je nach Bergwerk), daher kann zu jeder Jahreszeit getaucht werden; der Zugang wird von den Betreibern festgelegt (ärztliches Attest, Versicherung, Genehmigungen). Es wurde keine Quelle mit genauer Temperatur gefunden.
Tauchplätze (10)
Schwäbische Alb & Baden-Württemberg
- Aachtopf (Aachquelle) – 0–18 m, Profi
- Blautopf (TILOS / no diving) – 0–21 m, Profi
- Falkensteiner Höhle – Profi
- Wimsener Höhle – Profi
Sachsen & Erzgebirge
- Altes Kalkwerk Miltitz – 0–60 m, Profi
- Felsendome Rabenstein – 0–17 m, Profi
NRW, Sauerland & Nordhessen
- Besucherbergwerk Kleinenbremen – Blaue Lagune – 0–20 m, Profi
- Schieferbergwerk Nuttlar – 0–30 m, Profi
- Schiefergrube Christine (Willingen) – 0–47 m, Profi
Bayern – Fränkische Alb
Anbieter (3)
- Bergwerktauchen Nuttlar – Tauchbasis, Briloner Straße 48a, 59909 Bestwig (Schieferbergwerk Nuttlar)
- Tauchtreff Dresden – Tauchbasis, Dornblüthstraße 19, 01277 Dresden
- Tauchschule Sachsenluft (Tauchsport Sachsenluft) – Tauchbasis, Augustusburger Str. 23–25, 09111 Chemnitz
Touren (4)
- Nuttlar Cavern-Schnuppertauchgang
- Nuttlar Bergwerkstauchkurse (Cavern bis Full Mine)
- Miltitz Höhlentauch-Wochenenden im Winter
- Felsendome Rabenstein geführter Bergwerkstauchgang
Bergwerks- und Höhlentauchen ist Overhead-Tauchen: Ohne Höhlen- oder Bergwerksausbildung, durchgehende Leine, Drittelregel sowie redundante Ausrüstung und Lampen kann es tödlich enden. Jeder Platz hier darf nur über den Betreiber oder Eigentümer oder mit einer amtlichen Genehmigung betaucht werden – mehrere sind gesperrt oder Forschungsteams vorbehalten. Regeln, Termine und Preise ändern sich, daher vor der Anreise beim Betreiber oder bei der Behörde nachfragen. Positionen dienen nur der Orientierung.